Die wirtschaftliche Situation der Vor-Ort-Apotheken in Deutschland bleibt trotz der Anpassung des Fixums angespannt. Nach jahrelangem Stillstand komme nun zwar Bewegung in das Thema Honorierung, aber „von einer echten Entlastung kann kaum die Rede sein“, so Dr. Nojan Nejatian, Inhaber der Heegbach-Apotheke in Hessen. „Es reicht vielleicht gerade zur Sicherung der Existenz.“
Bei der Debatte um das Apothekenhonorar gehe es nicht um Gewinnmaximierung, sondern nur um die Existenzsicherung der Vor-Ort-Apotheken, macht Nejatian klar. „Nach jahrelanger Bemühungen der Standespolitik und der einzelnen Apotheker:innen ist es gelungen, eine kleine, aber nicht inflationsgerechte Erhöhung zu bekommen“, erklärt er.
Diese Maßnahme hätte viel früher kommen müssen. „Nichtsdestotrotz bin ich froh darüber, dass jetzt überhaupt etwas passiert ist. Denn es hieß ja bis zuletzt, dass die Erhöhung gar nicht kommt“, so Nejatian. Wünschenswert wäre, wenn zusätzlich zur Fixumserhöhung keine Kassenabschlagserhöhung käme. „Sonst wird die Fixumserhöhung gleich wieder ausgehebelt“, erklärt er.
Das strukturelle Problem der Unterfinanzierung werde dadurch nicht gelöst, sondern nur verschoben. „Dabei leisten die Apotheken vor Ort einen massiven finanziellen und bürokratischen Kraftakt, den der Versandhandel komplett verweigert. Bei hochpreisigen Arzneimitteln und aufwendigen Individualrezepturen gehen wir beispielsweise für immense Summen in Vorkasse“, so Nejatian.
Mehr noch: „Wir laufen Forderungen ständig hinterher. Wir sind sozusagen das Inkassounternehmen der Krankenkassen“, so der Apotheker. „Wir tragen das volle wirtschaftliche Risiko der lückenlosen Patientenversorgung.“
Was bleibt, ist laut Nejatian nur die unternehmerische Kreativität als Rettungsanker. „Da die politische Unterstützung über Jahre ausblieb und auch die jetzige Erhöhung die Inflation nicht ausgleicht, müssen wir Apotheker zu Multitasking-Unternehmern werden“, verdeutlicht er. Sein Motto: „Du kannst nicht überleben, wenn du heute nur Apotheker bist.“
Um seine eigene Betriebsstätte zu sichern, gründete der Inhaber vor fünf Jahren ein Sanitätshaus direkt neben seiner Apotheke – ein Konzept, das er aus seiner Heimat, dem Iran, kennt, wo die gemeinsame Abgabe von Hilfsmitteln und Medikamenten völlig normal ist. Heute finanziert das Sanitätshaus, zusammen mit einem eigenen Großhandel, einem Pflegenetzwerk und einer eigenen Gesundheitsmarke, den klassischen Apothekenbetrieb. Der Beruf lasse sich heute nur noch dann zukunftsfähig gestalten, wenn man den Mut aufbringe, die klassischen Pfade des Rezeptgeschäfts zu verlassen und sich breiter aufzustellen, so Nejatian.